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Wehrdienstverweigerer in der DDR

July 9, 2019

 

 

 

Mit der Einführung der Wehrpflicht am 24. Januar 1962 hatte man als junger Mann (18 – 26 Jahre) in der DDR drei Möglichkeiten: Entweder man entschied sich für den Dienst als Soldat mit der Waffe, trat den Dienst als Bausoldat ohne Waffe an oder wurde Totalverweigerer und nahm eine Haftstrafe in Kauf.


Seit der Einführung der Wehrpflicht, nur einige Monate nach dem Mauerbau, wurden Wehrdienstverweigerer in der DDR strafrechtlich verfolgt. Der Dienst als Bausoldat wurde am 07. September 1964 durch Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates für diejenigen eingeführt, die aus „religiöser Haltung“ oder aus „ähnlichen Gründen“ den Wehrdienst mit der Waffe ablehnten - was aber nicht bedeutete, dass man sich dem militärischen Grundprinzip entziehen konnte. Die Verweigerung wurde bei der Musterung im Wehrkreiskommando (WKK) erklärt, anfänglich ohne weiterer Gewissensprüfung und Formalitäten und später ab den 1970er Jahren wurde eine glaubhafte schriftliche Erklärung verlangt, die die Verweigerung rechtfertigt. So einfach, wie es sich anhört, war es dann doch nicht: Trotz des Rechtanspruchs den Wehrdienst zu verweigern, der im Laufe der Zeit auch immer häufiger in Anspruch genommen wurde, wurden Antragsteller immer wieder vor, während und auch nach der Zeit als Bausoldat durch Schikanen, Diskriminierung und Stigmatisierung unter Druck gesetzt. Auch die beruflichen Perspektiven und Bestrebungen zu studieren waren nach der Verweigerung eingeschränkt bzw. gänzlich verbaut und man befand sich unter ständiger Beobachtung und Kontrolle durch die Staatssicherheit.


Von der Möglichkeit den Wehrdienst verweigern zu können, wussten viele DDR-Bürger nichts, denn das lag nicht im Interesse des Staates – die Einrichtung wurde weitestgehend tabuisiert. Die Alternative zum Wehrdienst wurde erst eingeführt, nachdem vorrangig die evangelischen Kirchen protestierten und ein Großteil der Bevölkerung ihren Unmut äußerten. Letztendlich gab die DDR-Regierung nach weiter aufsteigendem Druck nach und schuf die Bausoldaten-Einheit. Waren es bis in die 70er Jahre hauptsächlich religiös motivierte Verweigerer, waren es ab Mitte der 80er Jahre überwiegend Menschen, die das System der DDR ablehnten.



Bausoldaten und Totalverweigerer


Das äußere Erkennungszeichen der Bausoldaten war der glänzende Spaten auf den Soldatenschulterklappen, daher auch die Bezeichnung „Spatensoldaten“. Es durfte zwar der Dienst an der Waffe verweigert werden, aber nicht der Armee-Dienst. Das bedeutete, dass man als Soldat ohne Waffe wie beim Grundwehrdienst auch, in Kasernen schlafen und 18 Monaten in der Uniform der Nationalen Volksarmee (NVA), dienen musste.  Statt einen Eid abzulegen, mussten sie in einem Gelöbnis ihrem Vorgesetzten unbedingten Gehorsam erklären und sie verpflichteten sich zur Mitarbeit bei Straßen- und Verkehrsbauten und zum Einsatz bei Katastrophen. Im Gegensatz zu Westdeutschland durften die Wehrdienstverweigerer vorerst keinen Ersatzdienst in zivilen Einrichtungen leisten, sondern wurden ganz bewusst für militärischen Baumaßnahmen eingesetzt, um einerseits Spannungen und Ungehorsam zu erzeugen und andererseits die Bausoldaten zu schikanieren und zu demütigen. Zudem war die zu verrichtende Arbeit körperlich anstrengend und wurde gezielt nicht mit technischen Hilfsmitteln unterstützt, obwohl diese zugänglich gewesen wären. Mitte der 70er Jahre wurden Bausoldaten auch als Küchen- und Gartenhelfer oder als Dienstpersonal im NVA-Erholungsheim untergebracht.


Wer sich Befehlen widersetzte oder gegen Vorgesetzte auflehnte wurde bestraft und musste entweder ins Haftarbeitslager oder in das Militärgefängnis.


Bis zum Mauerfall soll es zwischen 16.000 - 27.000 Bausoldaten in der DDR gegeben haben.


Wer sich gegen jeglichen militärischen Dienst, also auch dem Dienst als Bausoldat, verweigerte musste von einer Freiheitsstrafe von 3-5 Jahren rechnen.

 



Quellen:

Foto: Jugendoppositionen in der DDR: Gruppenfoto der ersten Bausoldateneinheit der NVA im Frühjahr 1966
https://www.jugendopposition.de/themen/145369/wehrdienstverweigerung-in-der-ddr
https://www.chronikderwende.de/lexikon/glossar/glossar_jsp/key=cglbausoldaten.html


 

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