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Massenflucht durch Tunnel 29 am 14./15. September 1962

September 14, 2019

 

 

 

Seit dem Mauerbau wurde immer wieder nach neuen Wegen und Möglichkeiten gesucht, um aus der DDR in den freien Westen zu fliehen. Es ging darum, die Mauer, das unüberwindbare Hindernis, zu meistern.


Eine Möglichkeit war es mit gefälschten Papieren durch die Passkontrollen in den Westen zu gelangen oder die Grenzgewässer und die Ostsee in U-Booten, Schlauchbooten, Surfbrettern und Tauchanzügen zu überqueren. Diejenigen, die sich nicht mit dem Element Wasser anfreunden konnten haben es mit Leitern, Seilwinden, selbstgebauten Ultraleicht-Flugzeugen und Heißluftballons über die Mauer versucht. Und dann gab es noch die Möglichkeit, durch Tunnel unter der Mauer zu fliehen. Es wurden viele Versuche gestartet in bestehenden und selbstgegrabenen Tunneln unter der Mauer in den Westen zu gelangen. Oft scheiterten die Versuche am Verrat von Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden und Familienmitgliedern, an eigenen Fehlern oder anderen unvermeidlichen Umständen.


Am 14./15. September 1962 sollte aber alles gutgehen und insgesamt 29 Personen konnten von Ost-Berlin nach West-Berlin, durch einen von West-Berlin gegrabenen Tunnel, flüchten. Der Tunnelname „Tunnel 29“ ist durch die Anzahl der 29 geflüchteten Personen im Nachhinein der Flucht entstanden.


Alles begann mit der Freundschaft von Peter Schmidt-Vogel, der mit seiner Frau Evelyne und seiner kürzlich geborenen Tochter Annette an der östlichen Stadtgrenze von Wilhelmshagen wohnte und Luigi Spina, der mit seinem damaligen Mitbewohner Domenico Sesta in Berlin Charlottenburg eine Wohnung teilte. Nach dem Mauerbau konnten Spina und Sesta mit ihren italienischen Reisepässen regelmäßig und ungehindert Schmidt-Vogel und seine kleine Familie in Ost-Berlin besuchen. Für Schmidt-Vogel, der sich nicht mit dem DDR-Regime anfreunden konnte, sollte die Lage noch prekärer werden. Der Einzug in die Volksarmee stand ihm Ende 1962 bevor. Er bat seine beiden Freunde Spina und Sesta ihm und seiner Familie dabei zu helfen, die DDR zu verlassen.


Nachdem die Freunde sich darüber einig waren, dass eine Tunnelflucht für die Familie am ungefährlichsten wäre, wurden Orte inspiziert, um die geeignetste Stelle für ihr Vorhaben zu finden. Der Tunnel sollte in West-Berlin von der Bernauer Straße 78/79 auf einem leerstehenden Fabrikgelände starten und in einen Keller in der Schönholzer Straße 7 in Ost-Berlin enden.  Bei ihren Recherchen kamen sie in Kontakt mit den verschiedensten Leuten, die sich zum einen an der Fluchthilfe beteiligen und zum anderen selbst Personen kannten, die in den Westen flüchten wollten. Letztendlich waren an dem Tunnelbau rund 30 Helfer etwa ein halbes Jahr Tag und Nacht im Einsatz, um Freunden und Familienmitgliedern die Flucht zu ermöglichen oder einfach um des Helfens Willen.  


Die Hauptakteure der Gruppe waren: Domenico Sesta, Luigi Spina, Wolfhardt Schrödter, Joachim Rudolph, Hasso Herschel und Ulrich Pfeifer.  


Die Tunnelumsetzung verschlang mehr Geld und Zeit als vorerst angenommen. In den Semesterferien arbeiteten Spina und Sesta und benutzten das verdiente Geld für den Tunnelbau, aber es reichte nicht um die anfallenden Kosten zu decken. Das Projekt war gefährdet und jede Verzögerung konnte dazu führen, dass das Projekt aufflog. Es musste also schnellstmöglich Geld aufgetrieben werden. Auch zusätzliche Ersparnisse von Schmidt-Vogels Mutter reichten nicht aus. Die Finanzierung des Tunnels wurde erst mit dem Verkauf der Filmrechte an den Tunnelgrabungen an den amerikanischen Fernsehsender NBC gesichert. Spina und Sesta sahen zufällig eine Anzeige in der Berliner Morgenpost über den Film „Der Tunnel – Die Dokumentation“ und setzten sich mit den Verantwortlichen in Kontakt. Insgesamt erhielten Spina und Sesta 50.000 DM. Schröder, Herschel und Pfeifer wurden darüber informiert, alle anderen nicht. Die Dreharbeiten fanden nur statt, wenn keine anderen Helfer vor Ort waren. Allerdings sollte das nicht ohne Folgen bleiben. Am Fluchttag wurden die übrigen Helfer und DDR-Flüchtlinge bei ihrem Austritt aus dem Tunnel von einem Kamerateam der NBC überrascht und gefilmt und es kam bei einigen Beteiligten der Verdacht auf, dass man sich bei der Fluchthilfeaktion nur bereichern wollte. Es kam zum Streit unter allen Beteiligten und ein Großteil distanzierte sich öffentlich von Spina, Sesta und Herschel.


Bis dato war die Tunnelflucht die größte Massenflucht nach dem Mauerfall.

 

Ausführlichere Informationen finden Sie unter www.tunnelfluchten.de

 

 

Quelle Bild: tunnelfluchten.de
 

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