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Gedenken an den 30-jährigen Todestag von Chris Gueffroy: Das letzte Opfer des Schießbefehls

February 5, 2019

 

 

Der damals 20 Jahre alte Chris Gueffroy hatte drei große Träume:

  1. Er war ein leidenschaftlicher und begabter Turner und wollte gerne Turnweltmeister werden, aber eine Karriere als Sportler unter den strengen Bedingungen in der DDR kam für ihn nicht in Frage.

  2. Er wollte nach Amerika reisen.

  3. In Freiheit leben und über sich selbst entscheiden können.

Als Gueffroy Anfang 1989 erfährt, dass er im Laufe des Jahres zum Wehrdienst bei der NVA (Nationale Volksarmee) eingezogen werden soll, entschließen sich sein Freund Christian Gaudian und er über die Berliner Mauer in den Westen zu fliehen. Von einem befreundeten Grenzsoldaten erfahren sie, dass der Schießbefehl außer Kraft gesetzt worden ist.
Nur wenige Monate vor dem Mauerfall - in der Nacht zum 6. Februar 1989 erreichen die beiden gegen 22:30 Uhr die Kleingartenkolonie „Harmonie“ in Treptow. Mit selbstgebauten Wurfankern überwinden Gueffroy und Gaudian problemlos die Hinterlandmauer. Gegen 23:30 Uhr nähern sie sich den Sperranlagen vor dem Britzer Zweigkanal, der die Grenze zum West-Berliner Stadtbezirk Neukölln bildet und lösen beim durchkriechen des Signalzauns Alarm aus. Kurz vor dem letzten etwa 3 Meter hohen Metallgitterzaun werden die beiden von den Grenztruppen entdeckt und unter Beschuss genommen. Mehr als 20 Schüsse werden abgefeuert. Chris Gueffroy wird mitten ins Herz getroffen und stirbt noch am Unfallort. Christian Gaudian wird schwer verletzt und fällt zu Boden. Im letzten Moment wirft er seinen Personalausweis auf die andere Seite der Mauer, woraufhin sein Name in den westlichen Medien schnell bekannt wurde.

Da Gaudian in der anschließenden Haft keine Angaben zu dem Fluchtversuch geben will, droht man ihm damit seinen verletzten Fuß nicht zu behandeln. Einige Wochen später wird er vom Stadtbezirksgericht Pankow wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts im schweren Fall“ zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Am 17. Oktober 1989 kauft die Bundesrepublik ihn frei.

Zur Beerdigung von Chris Gueffroy kommen nicht nur Verwandte und Freunde, auch westliche Journalisten konnten sich Zugang verschaffen, was einen erhöhten Druck auf das DDR-Regime bedeutete. Am 03. April 1989 wird der Schießbefehl informell für Grenzsoldaten aufgehoben, offiziell erst am 21. Dezember, also sechs Wochen nach Mauerfall.

In den Mauerschützen-Prozessen nach der Wiedervereinigung wird nur einer der vier beteiligten Grenzsoldaten zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein anderer bekommt eine Bewährungsstrafe und die restlichen zwei Soldaten werden freigesprochen.

Seit 2003 erinnert eine Gedenksäule, die anlässlich seines 35. Geburtstages am Britzer Zweigkanal errichtet wurde. Chris Gueffroy war der letzte, der dem Schießbefehl an der Berliner Mauer zum Opfer gefallen ist und der Vorletzte überhaupt, der bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen ist.

 

Quelle Foto: chronik-der-mauer.de, Aufnahme Nov./Dez. 1988, Foto: privat

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