Intershop – Der kleine Westen im Osten


Als am 14. Dezember 1962 die staatliche Handelsorganisation Intershop GmbH gegründet wurde, bot sich dem Staat der DDR die Möglichkeit, mit frei konvertierbaren Währungen wie D-Mark und US-Doller gute Geschäfte zu machen. Auch wenn dies offiziell nicht geplant war, wurden die Intershops zum ständigen Begleiter des DDR-Alltags.

Zunächst richtete sich das Angebot der Intershop-Läden an Besucher und Transitreisende aus dem Ausland und West-Berlin, um den Einkauf vertrauter Waren, wie bestimmte Zigarettenmarken, zu ermöglichen. Die angebotenen Waren stammten aus Produktionen von Westfirmen, die in der DDR günstig produzieren ließen und im Austausch der DDR einen Teil der Produktion zum Verkauf zur Verfügung stellten.

Der erste Intershop, den es bereits vor der Gründung der Intershop GmbH gab, war ein kleiner Kiosk am Bahnhof Friedrichstraße, auch bekannt unter den Namen Transitlager und Internationaler Basar. Die Zollfreiheit der dort angebotenen Produkte wie Alkohol und Zigaretten waren für die West-Berliner besonders reizvoll. Weitere Intershops entstanden an Grenzübergängen, Transitstrecken, Flughäfen und anderen Bahnhöfen und neben Zigaretten und Alkohol kamen auch bald Nahrungsmittel, Kosmetika, Schmuck, Kleidung, Spielwaren und technische Geräte dazu. Die Verkaufspreise waren keinesfalls einheitlich in allen Intershops. In Grenznähe, an Transitstrecken, Flughäfen und Bahnhöfen lagen die Preise deutlich unter denen in der Bundesrepublik Deutschland. Im Rest der DDR lagen die Verkaufspreise über den Westpreisen. Mit dem Transitabkommen von Dezember 1971 stieg nicht nur der Besucherstrom aus dem Westen, sondern auch der Umsatz enorm an. Binnen weniger Jahre fand man mehrere hundert Filialen der Intershops in der gesamten DDR verteilt. Die Umsätze waren außerordentlich. In den 1970er Jahren wurden jährlich bereits über eine Milliarde Mark umgesetzt.

Am 19. Dezember 1973 erhielten auch DDR-Bürger legalen Zugang zu den Intershops. Wer über frei konvertierbare Währung verfügte, ausgenommen Westgeld (Valuta), konnte im Intershop einkaufen. Der Besitz von Westgeld (D-Mark) war bis 1974 in der DDR verboten und wurde erst 1974 durch Erlass des Ministerrates der DDR aufgehoben. Offiziell durften DDR-Bürger nun bis zu 500 DM besitzen. Ab April 1979 mussten Bürger der DDR vor dem Einkauf in den Intershops ihre Deutsche Mark bei der Staatsbank der DDR in sogenannte Valuta-Schecks oder Forumschecks umtauschen. Diese besaßen zwar den gleichen Wert wie die Deutsche Mark, konnten aber nur in den Intershops eingelöst werden. Die Umtauschpflicht von Valuta in Forumschecks galt nur für DDR-Bürger. Bürger aus dem Ausland konnten weiterhin ohne Forumschecks in den Intershops einkaufen.

Die Existenz der Intershops stellten ein ideologisches Problem für die Staatsführung dar und so war man lange Zeit bemüht, diese offiziell zu verschweigen. Um nicht unnötig den Ärger der DDR-Bürger auf sich zu ziehen, unterlagen die Intershops diversen Bestimmungen, die vom Ministerium für Staatssicherheit auferlegt wurden. So war es Intershops untersagt einsehbare Schaufenster und Auslagen zu präsentieren und meist befanden sich die von außen unscheinbaren Geschäften in abgelegenen Seitenstraßen.

1977 nahm Erich Honecker im DDR-Fernsehen Stellung: „Diese Läden sind selbstverständlich kein ständiger Begleiter des Sozialismus. Wir können aber nicht an der Tatsache vorbeigehen, dass besonders der große Besucherstrom viel mehr Devisen unter die Leute bringt, als das früher der Fall war. Bekanntlich kommen zu uns im Jahr etwa 9,5 Millionen Gäste aus kapitalistischen Ländern, die bei uns essen, zum großen Teil übernachten und selbstverständlich auch Geld in den Taschen haben. Durch die Intershop-Läden haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass diese Devisen bei uns im Lande bleiben.“

Zum Mauerfall 1989 existierten insgesamt 470 Intershops in der gesamten DDR. Mit den Intershops verdiente die DDR mehr als durch Häftlingsfreikäufe und Westkredite, aber für die Schuldentilgung hat es letztendlich nicht gereicht. Mit der Währungsunion von 1990 kam auch das Ende für den bis dato so erfolgreichen Intershop.

Bis zum 31.07.2017 hatten Ostalgiker noch die Möglichkeit im sogenannten „Schaufenster des Ostens“, im Intershop 2000 - Ostprodukte aus der deutsch-demokratischen Zeit, die heute wieder voll im Trend liegen, in einer Dauerausstellung zu besichtigen. Gleichzeitig konnten Produkte wie das Mitropa Geschirr dort auch käuflich erworben werden oder man hat überschüssige Objekte getauscht. Heute findet man die Betreiber jeden zweiten Sonntag im Monat beim oldthing Antikmarkt am Ostbahnhof.

Quellen: https://www.ndr.de/geschichte/Intershop-Die-Gier-der-DDR-nach-D-Mark,intershop101.html https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/laeden-und-kaufhaeuser-der-ddr-ho-konsum-centrum-warenhaus-und-co-teil-4 https://thewallmuseum.com/ddr-buerger/ Bild: Chronik der Mauer

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