Gelungene Senioren-Tunnelflucht am 5.5.1962

Aktualisiert: Mai 5





Der 81- jährige Kleinunternehmer Max Thomas beschloss Anfang des Jahres 1962 einen Fluchttunnel zu graben. Zuvor hatten seine Nachbarn, zwei Brüder, ihm und seiner Frau die Fluchthilfe aus Altersgründen verweigert, auch sie gruben einen Tunnel und flüchteten in den Westen. Max Thomas wurde zum Anführer einer zwölfköpfigen Gruppe, die hauptsächlich aus Senioren bestand. Darunter befanden sich Männer und Frauen im Alter zwischen 46 und 81 Jahren ein 18-jähriger Jugendlicher.

Die Grabungen begannen am 20. April 1962 und dauerten über zwei Wochen. Täglich arbeiteten die beteiligten Männer etwa 10-14 Stunden in dem Stollen und trugen insgesamt 4.000 Eimer Sand ab, die in einem nahegelegenen Pferdestall versteckt wurden. Der Tunnel wurde insgesamt 32 Meter lang, hatte eine Breite von 80 cm und überraschte aufgrund seiner Höhe von 1,75 Meter. Nach Angaben eines Beteiligten wurde der Stollen so hoch gebaut, damit alle bequem und ungebeugt in die Freiheit gehen konnten. Der Einstieg lag in einem engen Hühnerstall in der Oranienburger Chaussee in Glienicke/ Nordbahn und führte in den Westberliner Teil Frohnau.

Max Thomas überlegte sich auch ein raffiniertes Warnsystem: „Wir hatten ein Kabel unten im Stollen, und wenn die Volkspolizei oder Grenzpolizei in der Nähe war, ging der Besitzer an die Sicherung und drückte darauf, dann ging das Licht im Tunnel aus. Jetzt ist Gefahr. Alle ruhig verhalten.“

Am Abend des 5. Mai 1962 war es dann endlich soweit – alle 12 Flüchtlinge kamen sicher im französischen Sektor von West-Berlin an.

Aufmerksam wurde man in der ehemaligen DDR erst zwei Tage später auf die Flucht, nachdem eine Untermieterin dem Bürgermeister meldete, dass sie die gesamte Familie Thomas seit zwei Tagen nicht mehr gesehen hatte. Daraufhin wurde der Einstieg unauffällig überwacht, weil man angenommen hatte, dass jemand zurückkommen würde, um einen liegengelassenen Koffer zu holen. Dem war aber nicht so und die Observation wurde elf Tage später beendet.








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